Gespräche aus der Dunkelkammer.
Ein Apparat zur Animation verlorener und geschwärzter Texte.



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20. und 21. Mai
19.00 - 23.00 Uhr
im Luksé, ul. Serebrennikovskaya, 31, Nowosibirsk

Mobile Akademie Berlin:
Konzept und Raum:
Hannah Hurtzig
Konzept- und Skriptentwicklung:
Marian Kaiser
Bühnenbild:
Florian Stirnemann
MAB Management: Philipp Hochleichter

Team Nowosibirsk
Leiterin Goethe-Institut:
Stefanie Peter
Projektmanagement:
Mikhail Kazantsev
Co-Kuratorin und Programmkoordinatorin:
Julia Churilova
Übersetzung und Dolmetschen:
Nadja Orekhova
Inspizientin:
Olga Karaseva
Bühnenbildassistenz:
Victoria Ivleva
PR und Medienkontakte:
Elena Nosova
Vorproduktion:
Anna Morozova
Website:
Alexandra Golubeva
Projektassistentin:
Natalia Trukhacheva
Grafikdesign:
Timur Zima
Videodokumentation:
Vitaly Valishevsky, AVI
Roman Ivanyutenko, AVI
Script girl:
Marina Nikiforova
Bühne & Veranstaltungstechnik:
Alexey Bulgakov, Mikhail Ovchinnikov, Elkruff
Ton:
Sergey Schlamus, Elkruff
Maske:
Elena Khabarova
Übersetzung und Dolmetschen: Svyatoslav Gorodetsky
Valeria Kolodina
Oleg Nikiforov
Tatiana Padve
Andrey Romankov
Aleksandr Selesnev


HOSTESSEN
Aleksandra Rud
Anna Umrihina
Ekaterina Kozlovksaya
Daria Andreeva
Ksenia Zhukova
Luchia Postike
Maria Zykova
Olga Obrezanova
Olga Kusnetzova
Alexey Grishenko

Text&Ideen
Daniel Barber, Nikolaj Wassilijewitsch, Gogol, Ralph& Stefan Heidenreich , Pjotr Pawlenskij, Wladimir Velminski

 

 

Gespräche aus der Dunkelkammer. Ein Apparat zur Animation verlorener und geschwärzter Texte.
Eine Produktion der Mobilen Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Nowosibirsk

Wenn Geschichten aufgeschrieben werden, verwandeln sie sich in Texte. Texte können gelesen und in Umlauf gebracht, aber auch verboten, verbrannt, verloren oder schlicht vergessen werden. Werden aber die Geschichten von Menschen bewahrt und erinnert, ist es schwieriger, ihre Verbreitung zu unterdrücken. Es bedarf lediglich eines Erzählers, der sich an etwas erinnert und einer Zuhörerschaft, die sich in einem bestimmten Raum um diesen Erzähler versammelt, um zurückzuholen, was ausgelöscht, geschwärzt, versteckt oder nie geschrieben wurde. „Gespräche aus der Dunkelkammer“ stellt einen Apparat zur Verfügung, der diesen Prozess in Gang setzt.

Die Protagonisten des Apparats sind „Geschichtenerzähler“, Experten verschiedener Wissensgebiete aus Nowosibirsk, sowie Theoretiker und Künstler aus St. Petersburg, Moskau und Berlin. Der Apparat besteht aus sechs Stationen (der Wartesaal, das Büro, das Studio, das Kino und die Küche), die vom Publikum abgeschritten werden können. Diese Stationen repräsentieren unterschiedliche Sprechakte in verschiedenen Formaten, live und in der Videoaufzeichnung: Vorlesungen und Dialoge mit Experten, charismatische Beratungsgespräche, Küchenklatsch, rezitierte und von Schauspielern aufgeführte Texte. Alle Stationen arbeiten gleichzeitig. Das Publikum kann sich durch den Apparat bewegen wie durch eine Ausstellung. Der Apparat ist an einem ungewöhnlichen Ort aufgebaut: Schauplatz der Installation ist das leer stehende Dachgeschoß eines luxuriösen Modekaufhauses im Zentrum von Nowosibirsk.


Photo by Damir Muratov, Omsk - discovered in a by-road in Novosibirsk

Zwei Texte werden reanimiert:

In der Nacht des 24. Februar 1852 verbrannte Nikolaj Wassiljewitsch Gogol den zweiten Band seines Romans „Tote Seelen“. Nur Fragmente haben diesen berühmten Akt der Selbstzensur überlebt. Das Fegefeuer – wie der zweite Teil betitelt war – ist der zentrale Text, der im Dunkelkammer-Apparat reanimiert und im Kontext unserer Gegenwart interpretiert wird. Was müssen wir wissen, wenn wir den zweiten Teil „Das Purgatorium“ weiterschreiben wollen? Der Apparat verlängert drei zentrale Motive des verlorengegangenen Textes in die heutige Zeit: 1. Das Finanzsystem: Tschitschikoff war der erste russischer Broker, der mit Werten handelte, die keinen Gegenwert besaßen. Wie lässt sich im Vergleich dazu das heutige Kreditwesen beschreiben, und zwar auf lokaler und globaler Ebene? 2. Die toten Seelen: Tote spielen im Roman eine bedeutende Rolle für die Lebenden. Wie geht unsere Gesellschaft mit der Grenze zwischen Leben und Tod um? 3. Der Reisebericht: Tote Seelen sind ein Roadmovie, eine angewandte Ethnographie. Wie erleben heutige Entdecker in Forschung, Wissenschaft und Kunst ihre Reisen in unbekannte Gegenden? Für jedes Motiv haben wir eine Reihe von Experten aus Nowosibirsk eingeladen, um die aktuelle Bedeutung von Gogols Themen zu erörtern.

Der russische Künstler, über den dieser Tage in Russland geredet wird, ist Piotr Pavlenski. Es scheint, als wären die Debatten, Prozesse, Gerüchte und Berichte, die ihn begleiten, bekannter als seine Kunst. Oder besteht Pavlenskis Kunst eben darin, was sie auslöst und nicht darin, was sie zeigt? In den Reaktionen der Behörden, der Leute, der Bürokratie, der Zeitungen, der Politik und der Kunstwelt? Vielleicht ist der Klatsch und Tratsch um Piotr Pavlenski das eigentlich Interessante. Der Filmtheoretiker Marc Siegel erkennt im Gossip einen halböffentlichen Diskurs, eine subversive Form des Wissens, das durch die Sprecher und Gespräche zirkuliert und ein informelles Informationsnetzwerk herstellt. Der traditionelle russische Ort, um offen zu sprechen, wild zu spekulieren, große Behauptungen und kleine Geschichten zu verbreiten, ist die Küche. In 'The Kitchen' wird dem Gossip Raum gegeben. Experten und Expertinnen klatschen bei Tee und Wodka über Piotr Pavlenskis Leben und Arbeit. Und die Nowosibirsker Schauspieler Wladimir Lemeschonok und Lawrentij Sorokin werden die Verhörprotokolle zwischen einem Ermittler und Pavlenski in einem Filmstudio proben und aufnehmen lassen.


Robin Cackett on self-censorship


Lawrence Liang after 5 hours of shooting


Wladimir Velminski talks about Malewitsch


Venue: 4th floor of the departement store Luksé in Novosibrisk