Schwarzmarkt - Bern, September 2012

<< zurück zur Startseite

 

Freitag, 7. September 2012
Vidmarhallen / Vidmar +
Konzert Theater Bern
20.00 — 23.30 Uhr
Check-In ab 19.00 Uhr geöffnet

Eintritt frei
1 Expertengespräch a 30 min 1CHF

Konzept & Raum:
Hannah Hurtzig Mobile Akademie
Regie & Projektleitung:
Philipp Hochleichter Mobile Akademie
Recherche & Interviews:
Eva-Maria Bertschy, Carena Brenner, Martina Scherler
Produktionsleitung & PR:
Martina Scherler
Mitarbeit Ausstattung:
Anna Bucher
Design:
Atelier für visuelle Kommunikation HKB, Kunz
Projektleitung Biennale Bern: Barbara Stocker
Öffentlichkeitsarbeit Biennale Bern: Gisela Trost
Technische Leitung:
Christoph Gorgé
Leitung Bühnenbetriebe Konzert Theater Bern:
Claude Ruch
Ansagen:
Milva Starck
Hosts & Hostessen:
David Berger, Gabi Frei, Gina Gurtner, Nele Jahnke,
Nathalie Lustenberger, Stefanie Mauron, Svetlana Marchenko, Tina Raaflaub, Olaf Schmidt, Anna Stein
Infrarot-Empfänger:
Ellerbrock Konferenztechnik
Büchertisch:
Münstergass-Buchhandlung

Mit besonderem Dank an Roman Brotbeck, Beatrix Bühler, Pirkko Busin, Priska Gisler, Carolin Hochleichter, Luzia Hürzeler, Tobias Lambrecht, Maike Lex sowie die Werkstätten und Fundi des Konzert Theater Bern

Eine Produktion der Mobilen Akademie Berlin, des Forschungsschwerpunktes Intermedialität der Hochschule der Künste Bern HKB, der Biennale Bern und Konzert Theater Bern.

 

 

 

Schwarzmarkt für nützliches Wissen und
Nicht-Wissen Nr. 15

UNSER GELD.
Über die allmähliche Entstofflichung eines Tauschmittels

Eine Installation mit 57 Expertinnen und Experten

«Warum, dachte ich, sinkt wohl das Gewölbe nicht ein, da es doch keine Stütze hat? Es steht, antwortete ich, weil alle Steine auf einmal einstürzen wollen.»
Heinrich von Kleist


alle Photos: Loulou d'Aki

UNSER GELD
Unser Verhältnis zum Geld ist in den letzten Jahren zunehmend ambivalent geworden: Das arbeitsteilige, globalisierte Leben ist ohne Geld kaum vorstellbar, doch zugleich mehren sich Zweifel an seiner Fähigkeit, eine stabile und sinnvolle Ordnung zu garantieren. Seine Glaubwürdigkeit gründete in kultischen Einbindungen, seiner Deckung durch materielle Werte oder in der Garantie durch Souveräne. Seine Praktikabilität verhalf ihm über die Jahrhunderte zu einer weltweiten, kulturübergreifenden und kaum hinterfragten Akzeptanz. Inzwischen können wir uns kaum mehr vorstellen, wo das Geld herkommt, wo es hingeht, woraus es besteht und was uns garantiert, dass wir morgen noch etwas damit kaufen können. Schon vor der Abschaffung des Goldstandard wurde nur noch ein verschwindend kleiner Teil der Geschäfte mit Münzen und Scheinen abgewickelt. Heute schöpfen Banken unser Geld buchstäblich aus dem Nichts; und unfassbare Summen zirkulieren mit rasanter Geschwindigkeit als Zahlen in Rechenmaschinen um den Globus.

Lange Zeit wurde dem Geld wenig Aufmerksamkeit zuteil; man betrachtete es als neutrale ‚Ware‘, die effizient Tauschgeschäfte vereinfacht. Die Krisen der letzten Jahre haben jedoch die Eigendynamik eines kreditbasierten Geldes offengelegt. Der antreibende, beschleunigende Effekt von Zins und Zinseszins fordert ein exponentielles und in alle Ewigkeit projiziertes Wachstum, dem eine Welt endlicher Ressourcen gegenübersteht. Was uns seit ein paar Jahren bedroht, erscheint wie ein immer wiederkehrender Angriff der Zukunft auf die Gegenwart: Um die unendliche Vermehrung des Geldes voranzutreiben, machten die Ingenieure komplexer Finanzprodukte und Zeitgeschäfte immer mehr Unsicherheiten der Zukunft zu scheinbar vertretbaren Risiken der Gegenwart. So erscheint das Geld heute als unsichtbarer, selbstgenügsamer Moloch, der den Menschen mehr und mehr vom Subjekt zum Objekt der Geschichte degradiert.

Doch die ursprüngliche Funktion des Geldes ist eine dienende: Geld ermöglicht Gesellschaft, indem es Menschen, Dinge, Waren, Welten verbindet und wieder trennt, die ohne es kaum zueinander finden würden. Wir möchten in diesem SCHWARZMARKT den relationalen Aspekt des Mediums Geld diskutieren. Wir befragen unseren Umgang mit und unser Verständnis von Geld, um anderen Regeln im Verhältnis von Arbeit, Wert und Ressourcen nachzuspüren.

Können wir der Eigendynamik des Geldes wieder Zügel anlegen? Hängen wir ab von den Kreaturen, die wir machten? Oder ist es vielleicht doch UNSER GELD?

DIE INSTALLATION
Der SCHWARZMARKT FÜR NÜTZLICHES WISSEN UND NICHT-WISSEN findet regelmässig seit 2005 statt, wird in jeder Stadt weiterentwickelt und thematisch adaptiert. Der SCHWARZMARKT versteht sich sowohl als Schau- und Produktionsraum, in dem narrative Formate der Wissensvermittlung ausprobiert und präsentiert werden, als auch als transdisziplinäre Recherche über das Lernen und Verlernen von Wissen und Nicht-Wissen.

Das Publikum, eher Klienten an diesem Abend, kann aus 26 Schlagwörtern auswählen: von A wie «Arbeit» bis Z wie «Zukunftsszenarien».

An 18 Einzeltischen sitzen über den Abend insgesamt 57 Expertinnen & Experten und bieten einen Ausschnitt ihres Wissens an, der sich in 30 Minuten erzählen und erlernen lässt. So lexikalisiert der 15. SCHWARZMARKT live zentrale Aspekte des Geldes: Eines Mediums, das für den Einzelnen immer ungreifbarer wird, je mehr Bereiche unseres Lebens es bestimmt.

Sprachen im Schwarzmarkt: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Ungarisch

>> SCHLAGWORTKATALOG

ARBEIT
ARBEITSVERHÄLTNISSE
BERATUNG
ENTMATERIALISIERUNG
FIGUREN & AKTEURE
GEMEINSCHAFT
GOLD
HYBRIS
KOMMUNIKATION
KONSUM
LIEBE
MARKT
NACHERZÄHLUNG
NUMISMATIK
QUANTIFIZIERUNG
RELIGION
SPEKULATION
STRATEGIE & TAKTIK
TAUSCH- & SCHULDVERHÄLTNISSE
TRANSFORMATION
TRANSNATIONALE VERFLECHTUNGEN
UNFREIHEIT
VERANTWORTUNG
VORSORGE
ZEIT
ZUKUNFTSSZENARIEN