Beratungsbüro für die vollendete Zukunft

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Öffnungszeiten
Beratungsbüro für die vollendete Zukunft.
Anmeldung für ein Beratungsgespräch jeweils 1 Stunde vorher, direkt vor Ort, Foyer HAU2
Bezahlung nach eigenem Gutdünken anschließend an die Beratung.

Do. 05.06 Anmeldung ab 19.00 Uhr
20.00 - 21.00 AKTIVISMUS: Karin Harrasser
21.00 - 22.00 EXPERTENTUM: Helgard Haug

Fr. 06.06. Anmeldung und Archiveinsicht ab 19.00 Uhr
20.00 - 21.00 NICHTSTUN: Nico Siepen
21.00 - 22.00 REISEN: Hasso Spode

Sa. 07.06. Anmeldung und Archiveinsicht ab 18.00 Uhr
19.00 - 20.00 BEWEGUNG: Gabrielle Brandstetter
20.00 - 21.00 LIEBE: Judith Hopf

So. 08.06. Archiveinsicht ab 20.00 Uhr, das Beratungsbüro ist geschlossen

Ein Projekt der Mobilen Akademie für den Kongress
»Prognosen über Bewegungen« – Performances und Lectures
veranstaltet vom Zentrum für Bewegungsforschung, FU Berlin, Institut für Theaterwissenschaft

Konzept: Hannah Hurtzig
Raum: Anke Philipp
Ton- Filmtechnik: Piet Esch



BERATUNGSBÜRO FÜR DIE VOLLENDETE ZUKUNFT

Fachspezifische individuelle Vorhersagen
in 15 - minütigen Einzelgesprächen

Do. 5. - So. 8. Juni 2008, HAU 2, Berlin
Ein Projekt der Mobilen Akademie für den Kongress »Prognosen über
Bewegungen« – Performances und Lectures

Das Angebot an unsere Kunden ist eine Vorhersage im Futur II (Futurum exaktum): Wir betrachten Ihre Gegenwart als Material mit einem uneinholbaren, weil nur zukünftigen Bedeutungswert. Sie treffen auf wahrsagende Experten, die sich rückblickend aus der Zukunft an Ihre Gegenwart erinnern, um Sie zu wichtigen Fragen und Aspekten Ihrer derzeitigen Lebenssituation zu beraten, die ihre Zukunft erst noch produzieren muss.
Die Begegnung von Experte und Kunde findet im Filmset eines Detektivbüros statt und wird mit Kameras beobachtet. In diesem Set wird allerdings nicht nach Indizien für bereits geschehene Verbrechen und nicht erwiesene Unschuld gesucht, sondern Symptome der Gegenwart durch prognostische Behandlung als Spur einer zukünftigen Wahrheit diagnostiziert.
Die Prognosegespräche werden aufgezeichnet und sind an mehreren Sichtplätzen einsehbar.

Prognostizierende Experten und Expertinnen:
Gabriele Brandstetter: Wie ich mich bewegt haben werde
Karin Harrasser: Welcher Akteur werde ich gewesen sein (Bibelstechen mit Bruno Latour)
Helgard Haug: Welcher Experte ich gewesen sein werde
Judith Hopf: Wie ich geliebt haben werde
Nicolas Siepen: Was ich nicht getan haben werde
Hasso Spode: Wohin ich gereist sein werden


Sherlock Holmes konsultiert eine Kartenlegerin

Das Angebot an unsere Kunden im Einzelnen:

1
Wie ich geliebt haben werde

Judith Hopf, Künstlerin, Filmemacherin
Head Of Department for Pictorial Studies, Fynske Art Academy, Odense, DK
letzte Ausstellung und Publikation: Konzepte der Liebe, Kölnischer
Kunstverein 2008 (in Zusammenarbeit mit Anja Natahn-Dorn und Kathrin
Jentjens)

Judith Hopf

Die Erfahrung des "In-Liebe-Fallens" lässt sich bekanntlich nicht herstellen. Mag es auch "Techniken" und Modelle in Bezug auf die "Objektwahl" geben, wie es Klaus Theweleit ausdrückt, durch die sich die Liebe entzünden kann und sich dann an den gesellschaftlichen Konsens anknüpfen und in die Machtverhältnisse einfügen lässt. Sexuelle Begehren, die nach Befriedigung streben, scheinen sich nicht nur verbieten und verfolgen zu lassen. Sie werden auch unermüdlich zu Kapital gemacht, multi-medial gedealt, organisiert und vertickt. Was kann dann aber den Liebes-Raum bilden, den wir an das Begehren anschließen mögen und der in erster Linie den Dynamiken der Machterhaltung gängiger Verhältnisse folge leistet? Wie werden Sie also geliebt haben?

2
Was ich nicht getan haben werde

Nicolas Siepen, Künstler, Filmemacher, Autor, Mitbegründer des Projekts b_books. Er schreibt für Springerin, Texte zur Kunst, Frakcija, Phase Zwei, FAZ (Berliner Seiten), Starship und Artfan und ist Mitherausgeber der Zeitschriften A.N.Y.P. und ASSEMBLY INTERNATIONAL.

Nicolas Siepen

Es wird sehr angenehm gewesen sein, nichts getan zu haben, aber auch beunruhigend. Es gibt keine andere Lösung als diese in die irregehende Bewegung: keine Meinung zu haben, keine Idee zu diesem oder jenem Punkt, kein Leiden an Kommunikationslosigkeit, denn das Schöne im Leben - so könnte man es sehen - sind die Löcher, die Lücken, die sie enthaltenden Katalepsien oder Somnambulismen.

3
Welcher Akteur werde ich gewesen sein. (Bibelstechen mit Bruno Latour)

Dr. Karin Harrasser, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Leiterin des Vereins Science Communications Research, Wien, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Wien und Humboldt-Universität zu Berlin an den jeweiligen germanistischen Instituten, Forschung zur Wissensgeschichte der Prothetik.

Dr. Karin Harrasser

Akteur ist der/die/das einen Unterschied macht, der/die/das eine Spur hinterlässt, ohne den/die die Welt anders ausgehen würde. Politik ist folglich - nach Bruno Latour - eine Aufmerksamkeit für neu auftauchende Akteure, ihre Mobilisierung und ihre systematische Integration in Verhandlungsprozesse. Denn Akteure haben Anliegen und die Anliegen haben sie. Akteur werden können deshalb indische Kühe genauso wie Gotteskrieger oder Spiegelneuronen, Strahlen aus Mobiltelephonen oder UNO-Generalsekretäre, Clonschafe, Dschinns - oder Sie.

4
Wohin ich gereist sein werden

Priv.- Doz. Dr. Hasso Spode Historiker, Soziologe, Hrg. von Voyage, Jahrbuch für Reise- und Tourismusforschung, letzte Veröffentlichung: Ressource Zukunft. Die sieben Entscheidungsfelder der deutschen Reform (2008), Leiter des Historischen Archivs zum Tourismus (HAT), FU Berlin

Dr. Hasso Spode

Es gibt viele Punkte auf dem Globus, wo die Welt noch anders ist, das ist toll, z.B. für Touristen und die können das tatsächlich mit eigenen Augen sehen. Leider heißt das logischerweise: die Welt ist furchtbar klein geworden, dank Thomas Cook und GPS. Ergo sind die besten Reisen die, die im Kopf stattfinden. Das ganze Leben ist eine Reise. Ergo ist das Ziel vorherbestimmt: die Nichtexistenz.
Aber die Zwischenzeit sollte man irgendwie nutzen. Wie Sie das getan haben werden, erfahren Sie hier.

5
Welcher Experte ich gewesen sein werde

Helgard Haug, Regisseurin arbeitet seit 2000 unter dem Label Rimini Protokoll im Bereich Theater, Hörspiel und Film und immer in der Grauzone zwischen Realität und Fiktion.

Helgard Haug

Den Inszenierungen von Rimini Protokoll gehen jeweils intensive Recherchephasen und sogenannte 'Castings' voraus. Bei einem solchen Treffen wissen beide beteiligte Parteien (Gast und Gastgeber) vorerst nicht ob sie sich für einander und die beginnende Arbeit entscheiden können und wohin sie sie führen wird. Heute wird eine Abkürzung genommen: schon bei der ersten Begegnung steht nicht nur der eigene Part fest, sondern das ganze Ensemble, das Stück, die Bühne, die Zuschauerreaktionen, die Aufführungstermine und Gastspiele und die Kritiken und auch der Punkt an dem alles vorbei gewesen sein wird.

6
Wie ich mich bewegt haben werde

Prof. Dr. Gabriele Brandstetter Theaterwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Tanz. Gründerin des Zentrums für Bewegungsforschung, FU Berlin; Forschungsprojekt zu "Bewegung und (Be-)Rührung"; jüngste Publikationen zu "Tanz als Anthropologie" und zur Bewegung von Schwärmen.

Prof. Dr. Gabriele Brandstetter

Das Ziel einer Bewegung lässt sich zumeist voraussagen; und oft meinen wir, auch den Grund für eine Bewegung zu wissen. Nicht selten aber kommen wir, schon im Verlauf einer Geste, im Gang einer Bewegung als ein Anderer - verwandelt - an. Wie könnte man solche Abweichungen vom Weg
der Bewegung mit ihrer Vorhersage abgleichen? Welche Begegnungen, Störungen und Versprechen verbinden sich damit? Und könnte es sein, dass gerade hier der Grund für die innere Bewegung, die Sie gefühlt haben werden, zu suchen ist? Welche Bewegungen also werden Sie geträumt haben?


das Beratungsbüro